| Felisa Tibbitts, die Leiterin von HREA, war im Juni im Sudan, um die Wirksamkeit des Trainings für die Friedenstruppen der Afrikanische Union zu beurteilen. Während ihrer Reisen in die verschiedenen Regionen von Darfur hat sie ihre Gedanken in einem Blog festgehalten.
Übersetzung: Marta Stefanska
Der letzte Tag im Sudan
Mittwoch, 27. Juni 2007
Nachdem wir hervorragend im Hotel abgeschirmt wurden, haben wir mit nur einigen Essenspausen zwischendurch von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr abends am Beurteilungsbericht gearbeitet. Am Montag, dem 25. Juni 2007, war der Bericht fertiggestellt und wir haben ihn am Mittag per E-mail unseren UNO Gegenspielern eingereicht, in Vorbereitung auf unser Treffen am darauffolgenden Tag, um die Ergebnisse zu besprechen.
Nach dem Senden des Berichts habe ich einen langen Spaziergang am Blauen Nil gemacht und dabei beobachtet, wie sich die Gewitterwolken im Nordwesten von Khartoum ansammelten. Die Regensaison beginnt nun im Sudan. Sie kommt mit einem frischen Wind und mit sichtbaren Auswirkungen fast wie die Staubstürme, die das Land leerfegen. Seltsamer getönter Nebel umhüllt alles in Sichtweite und gibt dir das Gefühl, dass etwas viel größeres in deiner Nähe ist, wovon du nur ein kleiner Teil bist. Es schien wie der passende Abschied zu meinem letzten Tag im Sudan.
Wir haben den Bericht am Dienstag vorgeführt und waren dankbar, dass er gut aufgenommen worden ist. Der letzte Halt unserer Reise wird in Genf sein, um eine weitere Besprechung mit dem Büro des Oberkommissars für Menschenrechte zu führen und eine letzte Chance, um Änderungen am Bericht vorzunehmen. Der Beurteilungsbericht wurde zur selben Zeit eingereicht wie die Nachricht, den Aufenthalt der Afrikanischen Unionstruppen 6 Monate im Sudan zu verlängern. Voraussichtlich sollen es die letzten 6 Monate sein bevor die Hybrid-Truppe entstehen soll. Diese 6 Monate werden dann hoffentlich eine vorübergehende Phase für die AMIS darstellen und ein Lichtsignal für erneute Hoffnung geben, dass ein neues Friedensabkommen mit verbesserter Sicherheit für die Menschen in Darfur erreicht werden kann. Ich weiß, dass ich es genau beobachten werde - von einer sicheren Entfernung - wie es viele von uns beobachten werden.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 20:32 Uhr
 Zurück in Khartoum
Samstag, 23. Juni 2007
Der Flug zurück nach Khartoum war ereignislos, obwohl es einen amüsanten Vorfall gab, als die umherstreiften Westlichen vom Flughafen zu dem AMIS Check-In Schalter am Ende des Pritschenwagens gebracht wurden. Ich lehnte mich auf dem dampfenden Holzboden des Wagens zurück, wo ein paar weiche Gepäckstücke lagen, und gab mich der heißen Khartoum Brise geschlagen, wobei ich aus der Vogelperspektive den Innenstadtverkehr und die Mini-Taxis, die man überall in der Hauptstadt sieht, beobachten konnte.
Mein Beurteilungskollege Peter hat vernünftigerweise ein schönes Hotel gewählt, da wir unsere letzte Woche damit verbringen werden, den Endbericht zu schreiben. Die Grand Holiday Villa ist ein atemberaubendes Hotel im Kolonialstil, direkt am Ufer des Blauen Nils. Der Name Blauer Nil ist eine falsche Benennung - natürlich - da das Wasser braun ist. Aber die Sicht ist sehr naß, alleine das ist einzigartig für den Sudan.
Als wir an dem Bericht arbeiten, entdecke ich plötzlich die einfachen Freuden, wie Wasser aus dem Glas zu trinken, anstatt aus Plastikflaschen, eine schnurlose Internetverbindung, heißes Wasser; und mehr als zwei Gerichtswahlen vom Menu. Außerdem sehen wir gut gekleidete Araber in der Lobby bei einer Tee-Besprechung anstatt eingefallene Gesichter von Auswanderern. Diese Umgebung ist reich, sogar luxuriös. Obwohl ich mich vielleicht ein wenig geschämt habe für diesen Kontrast mit Darfur, aber tatsächlich bin ich erleichtert.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 20:21 Uhr
 Abu-Shouk
Dienstag, 19. Juni 2007
Eine unerwartete Überraschung zeigte sich in El Fasher bei einem UNMIS Treffen, als sich ein Schutzoffizier für Menschenrechte als ein ehemaliger Student herausstellte. Er hat ein kleines Abendessen voll mit Indischen Delikatessen, die er von seiner letzten Reise nach Hause mitgebracht hatte, für unsere letzte Nacht in Darfur organisiert. Es war ein Abend gefüllt mit Spaß und toller Stimmung, wo ich über Sadiq's einzigartige Arbeit lernte. Er unterstützt vorzeitige Erholungsprogramme mit den Frauen von Darfur und andere Aktivitäten, die er über die letzten 4 Jahre mit den Friedenstruppen übernommen hat. Sadiq hat mir versprochen, mich zu einem IDP Lager zu führen, kurz bevor mein Flug zurück nach Khartoum gehen soll.
Das Lager heißt Abu-Shouk und ist außerhalb der Stadt. Eigentlich gibt es zwei Lager, die an die Stadt angrenzen, mit ca. 100.000 Binnenvertriebene (internally displaced persons, IDPs). Ich habe diese Niederlassungen von der Luft gesehen als wir in El Fasher gelandet sind, aber der endlose Blick von Dreck und die Strohhäuser in ihren eingezäunten Geländen, haben die unendliche Weite von Neubesiedlung häuslich gemacht. Außerdem sehen die Strukturen nicht vorübergehend aus. Es sieht so aus, als hätten sich die Menschen hier eingelebt.
Als ich das Lager betrat, sah ich einen Bereich, wo Steine vorbereitet wurden und dann abgeschossen wurden - ein blühendes Geschäft unter den IDPs. Riesige Krater nahmen die benachbarten Gebiete ein, wo Sand entfernt wurde, um die Steine vorzubereiten. Es gab auch eingezäunte Grundstücke, wo große Mengen an Vieh gehalten wurden und Menschen ihrem täglichen Geschäft nachgingen, fast so wie sie schienen es in der Innenstadt von Fasher zu tun.
Dieses bestimmte Lager hat Unterstützung von dem Internationalen Rettungsausschuss (IRC) bekommen. Es hatte ein großes Zelt, das als Frauenambulanz genutzt wurde. Sadiq brachte mich schnell zu einigen Hilfezentren, die in Abu-Shouk vorhanden waren, einschließlich eines Justiz- und Vertrauenszentrums (Beilegung von Rechtsstreitigkeiten und Rechtsanwaltshilfe) und eines CHF Gemeindezentrums, wo ich unter anderem die kraftstoffsparenden Öfen sah, über die ich gelesen hatte, eine Gruppe von Kinder, die unterrichtet wurden, einen Raum, wo sich Frauen versammelten und handarbeiteten, um ein kleines Einkommen zu schaffen, und ein spannendes Volleyball Spiel, das von jungen Frauen ausgeführt wurde.
Der Besuch war zu kurz, aber ich konnte einige Eindrücke sammeln, die mein Freund später mit Einzelheiten über das Leben im Lager ergänzte, bevor ich zum Flughafen musste, um meinen Flug zurück nach Khartoum zu nehmen. Ich verließ das Lager und fragte mich zwei Dinge. Die erste Frage war, ob diese Menschen jemals nach Hause gehen könnten? Die Ironie vom erfolgreichen Herbeibringen der humanitären Hilfe in solch einer Krise, ist das sie eine Abhängigkeit kreiert, die schwierig aufzugeben ist.
Meine zweite Frage betraf die unsichtbaren IDP Lager, die in gefährlicheren und schwierig zu erreichenden Gegenden liegen. Es gibt ganze Strecken in Darfur, die einfach zu gefährlich liegen für humanitäre Agenturen, um dorthin zu reisen. Wenn es zu gefährlich ist für Hilfe von außerhalb, wie kann es nur für die Menschen sein, die dort für immer leben?
Erfasst von Felisa Tibbitts um 20:14 Uhr
 UNO-AMIS Hybrid-Truppe
Mittwoch, 15. Juni 2007
Meine Träume sind mit Sand und Steinen gefüllt. Der Sand ist überall. Er ist unausweichlich. Du findest ihn zwischen deinen Zehen am Abend und Staubstürme wehen ihn auf deinen Frühstückstisch am Morgen. In dieser Umgebung von dürrer Hitze, haben Menschen, Tiere und andere Lebendige einen Weg gefunden, um zu überleben. Ich fange gerade an die Bedingungen der Darfurianer zu verstehen. Sie wurden vertrieben, haben sich abgemüht und werden an so vielen Fronten konfrontiert.
Am Donnerstag Morgen sind wir mit dem Militärhelikopter von Nyala zurück nach El Fasher geflogen. Erstaunlicherweise waren der Helikopter und sein Pilot Russisch. Zu Beginn des Fluges stand er vor dem Cockpit und hat uns mit wenig Akzent erklärt, dass der Flug eine Stunde dauern würde und dass wir in einer 2.000 Meterhöhe fliegen würden. Der Start war weniger turbulent als ich erwartet hatte, obwohl die Maschine und ihre Passagiere währen des ganzen Fluges ungemütlich gezittert haben.
Da Peter und ich uns im hinteren Teil setzen, konnten wir das einzige Fenster im Helikopter aufmachen, das nicht dicht abgeschlossen war. Mit diesem Vorteil, konnte man hunderte von Kilometern die weit reichende Wüste sehen, kurvige Flüsse ohne Wasser und einige unerwartete Steinstrukturen, die aussahen als wären sie vielleicht aus dem Amerikanischen Westen gekommen. Aus 2.000 Metern Höhe konnte ich den Viehbestand sehen, einen einsamen Laster, der versuchte durch den Sand zu kommen, Bausteinfabriken und einige Dörfer. Ich sah außerdem eine Ansiedlung, die ausgebrannt wurde und was zugleich ein Rebellenlager hätte sein können. Es war eine seltsame Mischung von Bildern, ergreifend in ihrer Nähe und ihrem Kontrast zueinander.
Der Helikopter landete ohne Zwischenfälle in El Fasher und wir haben uns ein kaltes Getränk gegönnt an einem Straßenladen direkt neben dem Flughafen und gegenüber des AIMIS Hauptquartiers. Ein geselliger Offizier kam in den Laden während wir unsere Limonade getrunken haben, und er bestätigte, dass El Bashir - der Präsident des Sudan - einen Brief nach Addis Ababa geschickt hat (wo die Afrikanische Union ihren Hauptsitz hat), in dem er seine Unterstützung für die UNO-AU Hybrid-Truppe bestätigt.
Die Hybrid-Truppe ist die "dritte Phase" von einer Reihe von Vorschlägen der UN, in denen sie die Durchsetzung des Darfur Friedensabkommens unterstützen, teilweise durch eine effektive Friedenstruppe. Die Sudanesische Regierung hat der UN damals nicht erlaubt Friedenstruppen im Land zu haben (nur Unterstützungspersonal für die Afrikanischen Unionstruppen). Da AMIS Truppen nicht sehr populär sind bei der Bevölkerung, denken viele, dass die ganze Situation weiter entartet, außer wenn die UN Friedenstruppen anreisen.
Die meisten Kollegen hier gehen davon aus, dass diese Truppen kommen werden. Es spricht sich herum, dass der neue AMIS Befehlsherr mit seiner Erfahrung bei den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union, der in einer Woche ankommen soll, die perfekt Person ist, um eine Hybrid-Truppe zu leiten. Das Darfur Friedensabkommen könnte auch abgeändert werden, um mehrere Unterzeichner zu gewinnen. Wenn die UNO Truppen nicht mit einem stärkerem Schutzauftrag kommen (d.h., sie dürfen Gewalt anwenden wenn es notwendig ist einzugreifen), werden sie letztendlich mit Sicherheit eine Enttäuschung für die Bevölkerung sein und somit auch außerstande sein die stark ansteigende Gewalt aufzuhalten.
Bevor ich Nyala verlassen habe, bin ich mit einem einheimischen Kollegen der Menschenrechte zum Abendessen gegangen. Er hat mir erzählt, dass es allein in El Fasher drei bewaffnete Gruppen gibt, mit Ausnahme der verschiedenen Polizisten und Sicherheitstruppen. Auf meinem ersten Besuch nach El Fasher, ist mir die starke Präsenz von Militär und Polizei aufgefallen. Heute Mittag habe ich mir eine Stunde freigenommen, um ein paar Photos draußen zu machen - was streng verboten ist - und ich war nur in der Lage das auszuhandeln, da der Fahrer wusste, welche Gegenden besetzt sind oder streng überwacht werden.
Ich habe drei weitere Tage, um Interviews hier in Fasher zu führen bevor ich nach Khartoum zurückkehren werde.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 13:57 Uhr
 CIVPOL (Zivilpolizei) Stützpunkt in Nyala (Süd Darfur)
Mittwoch, 13. Juni 2007
Mein dritter voller Tag beginnt heute in Nyala. Gestern habe ich den ganzen Tag auf dem Gelände der AMIS (Afrikanische Unionsmission im Sudan) CIVPOL (Zivilpolizei) verbracht und habe Trainer und ehemalige Auszubildende befragt. Ich habe auch Teile eines echten Trainings auf Mission beobachtet.
Die Truppen, die ich in diesem Sektor kennenlernte, kamen aus Nigeria, Burundi, Kamerun und Ghana. Ich verfolge den Faden der Trainings, dem sie sich als Polizeioffiziere unterziehen mussten - zuerst in ihren Heimatländern und dann nach der Stationierung im Sudan. Während dieses Prozesses hat sich auch eine andere Welt für mich geöffnet: Das Leben eines Friedenskämpfers in Darfur. Es gibt eine fast unkontrollierbare Politik über die AMIS und Debatten schließen die Fragen ein, wie gut sie versucht haben ihren Auftrag zu verwirklichen, sowie die Beschränkungen des Auftrages selbst und schleppende interne Verwaltungsschwierigkeiten. Humanitäre Agenturen, die UNMIS (Mission der Vereinten Nationen im Sudan) und die AMIS selbst geben Schuldzuweisungen, wie gut die Friedenskämpfer die Zivilpersonen beschützen. Die Brennholz-Wachen waren in der Vergangenheit erfolgreich, aber die Enttäuschung der Sudanesischen Bevölkerung hat sich in Angriffe auf die Friedenskämpfer selbst verwandelt. Also wird es auch für sie immer gefährlicher und sie geben immer weniger Schutz. Die Zivilpolizei, mit der ich sprach, war frustriert und vielleicht sogar ein wenig beängstigt. Das abgeleistete Training und monotone Sitzen in ihren Quartieren (Zelten) Tag für Tag sind eine Oase von diesen Problemen.
Außerhalb des CIVPOL Stützpunktes ist ein IDP Lager (für Binnenvertriebene). Als ein Fremder, kann man die Lager sehr einfach erkennen, da die vorläufigen Schutzräume - die Zelte - die Farbe weiß haben. Dörfer sind braun, die Farbe von Dreck und Brennholz. Als wir von Genaia nach Nyala gefolgen sind, konnte man außerhalb der Dörfer enorme Flächen von weißen Zelten sehen. Ich fand, dass sie permanent aussahen. Mir wurde gesagt, dass sie auch weiterhin die Lager vergrößern. Ich bin am Lager nahe dem Stützpunkt vorbeigefahren und die Kinder und Frauen am Straßenrand haben mir freundlich zugewunken. Auf unserem Plan steht auch der Besuch eines IDP Lagers, um mit den Lagerführern über die Arbeit der AMIS zu sprechen, aber dafür müssen wir erst eine Sicherheitsgenehmigung bekommen.
Sicherheit ist ein großes Problem für jeden in Darfur, und es ist sehr eng mit der Politik der Sudanesischen Regierung verflochten. Darfur's Konfliktsituation bedeutet einerseits, dass man nicht unbedingt ein Visum bewilligt bekommt, um in das Land reisen zu können (vielen Menschenrechtsagenten und humanitären Agenten ist es jetzt verboten in den Sudan einzureisen). Wenn man die Erlaubnis bekommt in den Sudan einzureisen, darf man die Hauptstadt nicht verlassen. (Zum Beispiel ist es U.S. Staatsangehörigen nicht gestattet mehr weiter als 25 Kilometer außerhalb von Khartoum zu reisen).
Ich habe ausnahmsweise das Recht erhalten im Land zu reisen, da ich zu den vorläufigen UNO Angestellten gehöre. Aber auch innerhalb der UNO Familie wird sich an die strengen Vorsichtsmaßnahmen gehalten. Jeder Sektor des Landes wird dem Risikograd entsprechend eingestuft (all Regionen in Darfur gehören zu dem Grad, wo das UN Personal normalerweise evakuiert werden muss). Es wird erwartet, dass man sich an bestimmte Prozeduren strikt hält, einschließlich den Ausgangssperren und den Radioüberprüfungen jeden Abend. Jede UNO Person bekommt ein Radiotelefon zur Kommunikation und das Lager prüft jeden Abend um 20 Uhr, ob sich jedes Mitglied als UN Mitglied ausweist. Ferner müssen alle internen Reisen genehmigt werden. Es gibt täglich sogenannte „sitrep" (Situationsdarstellung) Berichte, die Informationen über Sicherheitsvorfälle in jedem Gebiet bieten. Daher ist es manchmal möglich, dass eine Reise, die man in einen bestimmten Ort oder Sektor geplant hat, abgesagt werden muss.
Es war sehr faszinierend mit einem Schutzexperten zusammenzuarbeiten. Meine Anfangserwartungen über die Arbeit mit Peter waren, dass er bestimmt gute Instinkte haben würde wie man sich verhalten sollte, da er in Konfliktgebieten viele Jahre Erfahrung hat. In Wirklichkeit – und verständlicherweise – würde man sich von nebensächlichen Unannehmlichkeiten, wie der Ausgangssperre, nicht gestört fühlen, wenn man jemand ist, der schon einmal Opfer evakuieren musste, Autoangriffe, Schießereien und eine Geiselsituation in Gaza miterlebt hat. Somit war ich diejenige, die Peter dazu drängen musste, das Taxi um 21 Uhr abends doch nicht zu nehmen, um nach einem Indischen Restaurant zu suchen. Gestern Abend, nachdem ich ihn überredet hatte, dass wir besser unsere Reste im Gästehaus essen sollten, haben wir Schießereien draußen auf der Straße gehört. Es war ungefähr zu der Zeit, wo wir mit dem Taxi zurückgekehrt wären. Er hat sich angewöhnt mich „Mom" zu nennen, aber mir macht es nichts aus.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 13:37 Uhr
 Nyala (Süd Darfur)
Sonnta, 10. Juni 2007
Es war physisch sehr schwer sich in Fasher aufzuhalten. Da ist die Hitze, die Straßenbedingungen und die permanente Frage, wo man grundlegende Annehmlichkeiten finden kann, wie z.B. einen Ventilator, fließendes Wasser, eine funktionierende Toilette, einen Ort, an dem man Wasser kaufen kann und ein Restaurant mit sauberem Essen. Diese Fragen verstärken eine bereits schwierige Umwelt, in der ich Interviews führen soll und bestimmte Daten sammeln soll. Es ist ein wenig erschöpfend und die Arbeitstage sind sehr lang. Als ich dann am Samstag in mein Gasthaus zurückging, war ich enttäuscht, dass wir keinen Strom hatten. Es war eine Nacht mit beschränktem Deckenventilator und die Temperatur im Zimmer bedeutete, dass ich die Nacht in einem schweißtreibenden Schlaf verbrachte. Diese Zustände geben mir ein enormes Verständnis für die UN- und Humanitären Kollegen, die ich in Darfur treffe und die sich hier freiwillig aufhalten, um versuchen etwas zu verändern. Anscheinend hält sich jeder Auswanderer in Darfur lebend maximal 1 Jahr hier auf, und internationale Organisationen bieten alle 6 bis 8 Wochen ein- oder zweiwöchige Ruhe- und Erholungspausen für ihre Angestellten an, damit sich diese von dem mentalen und physikalischen Stress erholen können.
Am Sonntag Morgen sind wir wieder früh aufgestanden, um nach Nyala zu reisen, welches die Hauptstadt von Süd Darfur ist. Ursprünglich sollten wir mit dem Hubschrauber fliegen, aber wir wurden in einen 18-sitzigen Flieger verschoben und dann haben wir auf der Rollbahn für 45 Minuten geschmachtet während die Behörden prüften, ob mit dem Kraftstoff nicht gepfuscht wurde. Schließlich kamen wir über Geneia (West Darfur) in Nyala an.
Nyala hat nicht denselben Grad an Sicherheitsbedenken wie El Fasher und es ist wirtschaftlich weiter entwickelt, so dass die ganze Atmosphäre ein wenig entspannter ist. Es ist auch grüner draußen, obwohl wir in Wirklichkeit immer noch mitten in der Wüste sind. Der andere Bewerter, Peter, und ich haben unser Gepäck am UNICEF Gästehaus abgeliefert und sind ins UNDP Büro, wo wir jedem Angestellten vorgestellt wurden. Im Sudan, wie auch in anderen Teilen dieser Region, ist das Willkommen heißen eine aufwendige Tradition. Als Besucher ist es wichtig jedem Angestellten die Hand zu geben, vom Fahrer bis zum Oberleiter. Es verschafft ein sehr angenehmes Gefühl!
Ich habe den Nachmittag mit den UNDP Angestellten in einem zusammengedrängten kleinen Konferenzraum verbracht und Interviews geführt. Es gab neue UN Trainer, die dem Trainingsprojekt angehörten und sich auf folgende Bereich spezialisierten: Menschenrechte und Internationales Humanitäres Recht, Geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderrechte/Kinderschutz. Sie waren mit dem Büro des Oberkommissars für Menschenrechte, UNICEF und UNFPA verbunden. Teil meiner Arbeit hier ist zu verstehen, wie sie ihr UNO Multi-Agentur Trainingspaket mit den Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) gestaltet und ausgeführt haben.
Hier in Nyala werde ich anfangen die Truppen der Afrikanischen Union zu treffen, um die Auswirkung des Trainings zu erforschen, an dem die Truppen teilgenommen haben. Es gibt über 7.000 Truppen der Afrikanischen Union, alle verteilt in Nord, West und Süd Darfur. Die Friedenstruppen kommen aus einer Reihe von Afrikanischen Ländern und sie bestehen aus Zivilpolizei, Militärbeobachter und Schutzbeauftragter, jeder mit Funktionen festgelegt im Auftrage der Afrikanischen Union. Die Truppen sind nach acht Sektoren organisiert und, innerhalb dieser Sektoren, in Gruppen. Ich bin sehr gespannt über ihre Trainingserfahrungen zu hören.
Ich bin um 20 Uhr zurück zum Gasthaus – ein weiterer typischer Arbeitstag auf dieser Mission! Es leben andere internationale Menschen in dem Gasthaus (Gästehäuser werden arrangiert, da es hier keine Hotels gibt) und jeder ist hinterlistig, um Gespräche anzufangen. Ich habe über die Neuseeländerin erfahren, die vor kurzem angereist ist. Sie wird mit der Sudanesischen Regierung daran arbeiten, die Kapazität von Sozialarbeitern zu verbessern; unser Nepalesischer Kollege hat sich als Experte im Reparieren unseres Fernsehens herausgestellt. So viele Menschen wollen helfen hier im Sudan, obwohl mir schon mehrere mit Zögern zugegeben haben, dass sie fühlen keinen großen Unterschied machen zu können. Die Dinge werden einfach nicht besser.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 19:18 Uhr
 El Fasher
Samstag, 9. Juni 2007
Ich habe das Hotel um 6 Uhr morgens verlassen, um den Flug nach El Fasher zu nehmen. Es gibt schöne UNO Jets am Flughafen, aber es sind die Flugzeuge der Afrikanischen Union, die Soldaten und Zivilisten täglich nach Fasher transportieren. Es war ein seltsames Gefühl mit den Soldaten in einer Schlange zu stehen und der Check-In Ablauf war völlig unterschiedlich – wie eine gekürzte Version des Airport Service. Man bekommt Genehmigung an einem AMIS Gebäude in der Innenstadt von Khartoum, welches (buchstäblich) umfasst, sein ganzes Gepäck aufeinander auf eine Einzelwaage zu stapeln, um die 25 Pfund Grenze nicht zu überschreiten. Wir haben ca. 45 Minuten gewartet bis jeder abgefertigt wurde, dann haben wir unser eigenes Gepäck auf den Rücksitz eines Lasters getragen, mit dem wir dann zum Flughafen gefahren wurden. Am Flughafen mussten wir noch einmal Autos wechseln und dann unser eigenes Gepäck in den hinteren Frachtraum des 28-Personen Fluges tragen.
Der Flug hat ein wenig über eine Stunde gedauert. Als wir der Landung auf dem Fasher Flughafen näherkamen, war das Bild einer enormen Fläche der Sudanesischen Wüste überall sichtbar – es war mir eher künstlich vertraut durch die Präsenz in den Medien. Als wir tiefer herunterflogen, konnte man die Hütten der Anwohner erkennen (wie Mongolische Jurten, nur mit dünnerem Stoff) und sozusagen Halbzelte. Es sah aus, als würden wir auf dem Sand landen, aber die Landebahn zeigte sich gerade in dem Moment, wo wir landeten und der Pilot bremste ganz schön stark.
Unser Gepäck zu bekommen war genau das Entgegengesetzte vom Besteigen des Flugzeuges und unsere Reisegruppe half beim Finden und Tragen des Gepäcks aus dem Frachtraum. Der UNDP Wagen hat bereits auf uns gewartet. Dieser Wagen ist noch nicht einmal 1 Jahr alt und er ist in makellosem Zustand. Anscheinend ist das Reisen in Autos so gefährlich geworden im Sudan (bisher wurden im Jahr 2007 67 UNO Wagen entführt), dass die meisten Angestellten per Flug reisen.
El Fasher ist eine Welt in sich selbst. Ich war an vielen exotischen Orten – Pakistan, Mongolia – aber ich war noch nie in einer Welt, wo alles um mich herum völlig anders war. Das erste, was mir auffiel als ich von Bord ging, war, dass es in Fasher kühler war als in Khartoum. Es war nur 33 Grad, da es am Tag vorher bereits geregnet hat. Und die Brise war kühl und erfrischend im Gegensatz zu rau und zermürbend wie in Khartoum.
El Fasher ist eine alte Stadt und zu ihren Anwohnern gehören nicht nur Menschen, sondern auch Ziegen, Kamele und Pferde. Die Gebäude sind eine Mischung aus Zement, Backstein und Pflanzenstoffen. Die Männer und Frauen tragen einheimische Kleidung – es gibt einfach keine westliche Kleidung zu sehen, außer an gelegentlichen Hilfsarbeitern. Zwischen dem Flughafen und der Innenstadt von Fasher – eine ca. 10-minütige Autofahrt – gibt es eine Hauptstraße. An dieser Straße kann man Zeichen von Humanitären Organisationen und Hilfsorganisationen sehen, dass sie hier immer noch arbeiten. Letztes Jahr haben 180 Organisationen in Darfur gearbeitet und fast 15.000 Hilfsarbeiter waren registriert. Diese Zahl ist etwas gesunken, da sich einige Organisationen zurückgezogen haben, aber sie ist immer noch ziemlich hoch. Für große Lager gibt es eine humanitäre Hauptorganisation, die für den Zustelldienst zuständig ist.
Es gibt eine Ausgangssperre in Darfur – schon seit 1992. Allen Anwohnern wird geraten ab 20:30 Uhr im Haus zu bleiben. Schießereien passieren regelmäßig und wurden kürzlich verstärkt, so wurde uns gesagt. Es gibt außerdem eine starke Sudanesische Militärpräsenz. Offene Laster mit Soldaten und Gewehren fahren aus keinem besonderem Grund regelmäßig Streife. Einige der Wagen sind mit Maschinengewehren ausgestattet. Anscheinend sehen die Uniformen von bewaffnetem Personal sehr ähnlich aus, so dass man manchmal nur schwer erkennen kann, ob jemand in Uniform Polizei oder Militär ist. Ich bin an einem weiblichen Offizier vorbeigegangen als ich mein Mittagessen auf dem Markt abholte. Sie war definitiv unfreundlich.
Obwohl es offiziell nicht erlaubt ist Fotos zu machen, wurde mir gesagt, dass es okay ist, solange man keine empfindlichen Gegenden fotografiert und die Höflichkeit hat, andere Menschen zu fragen, ob sie einverstanden sind mit dem Fotografieren.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 2:32 Uhr
Khartoum
Donnerstag, 7. Juni 2007
Wir sind seit zwei Tagen in Khartoum. Unsere Zeit haben wir in Informationsgesprächen und ersten Interviews verbracht, außerdem gab es eine Menge verwirrender Verwaltungsprobleme zu lösen. Ich musste grundsätzliche und dann erweiterte Sicherheitstests bestehen, um eine Reiseerlaubnis nach Darfur zu bekommen. Die Kurse sind eigentlich sehr interessant: Uns wird gezeigt, wie man mit einer Menge verschiedener Gefahren umgehen soll, die einem begegnen können, wie man die Risiken senken kann und wie man in Situationen reagiert, wo Gefahren bereits Realität geworden sind. Die Fälle sind nicht sehr beruhigend und natürlich hat die Sicherheitssituation das ganze verschlechtert, so dass viele der Szenarien regelmäßig vorkommen. Deshalb war ich sehr dankbar diese Kurse zu nehmen und ich habe interessante Techniken gelernt, z.B. wie man mit Hilfe der Sonne seine Nord/Süd Position orientiert.
Khartoum ist eine sehr ausgedehnte Stadt, die Farben von Beton und rötlichen Sandes. Man kann sich vorstellen, dass man mitten in der Wüste stehen würde, wenn man die ganzen Bauwerke entfernen würde. Es ist Sommer und es ist heiß: zwischen 113 Grad Fahrenheit/45 Grad Celsius tagsüber. Es gibt nur selten Brisen und wenn diese mal kommen, dann sind sie meistens wärmer als die stille Luft. Der Boden brennt, so dass er nachts nur auf 90/30 Grad sinkt. Gott sei Dank ist es eine trockene Hitze, obwohl ich mir sicher bin, dass man schnell dörrt ohne dass man es weiß.
Im Laufe der letzten drei Tage, habe ich drei UN Büros besucht: UNDP, UNFPA und UNMIS. Die Mitarbeiter, die ich bis jetzt getroffen habe, sind äußerst fleißig und ich bewundere sie sehr. Sie sind multi-kulturell und es gibt eine große Anzahl von Afrikanern (beides, Ost und West Afrika) und Asiaten (Indianer, Pakistaner und Bangladescher). Beim Durchgehen eines Gebäudes höre ich nicht nur Englisch, sondern auch Französisch und Arabisch.
Die politische Atmosphäre bei den Vereinten Nationen beinhaltet öffentliche Diskussionen über die Nutzung von gemischten Truppen von den Vereinten Nationen und den Afrikanischen Unionskräften, damit die Darfurianer Schutz erhalten und humanitäre Hilfe ermöglicht wird. Ende Mai wurde solch ein Vorschlag von UNO-Sekretär Ban Ki-moon eingereicht und die Neuigkeiten heute sind, dass die Vereinten Nationen und die Afrikanischen Unionsführer nahe einer Einigung sind, wie die 23.000 vorgeschlagenen Friedenswächter errichtet und geleitet werden sollen. Die Sudanesische Regierung weigert sich einen Einsatz ausschließlich von den Vereinten Nationen überwacht in Betracht zu ziehen. Somit würde ein überarbeiteter Plan die Chancen deutlich verbessern, dass solch eine gemischte Truppe akzeptiert würde. Zur Zeit werden ca. 7.000 Friedenswächter der Afrikanischen Union im Sudan eingesetzt, jedoch werden sie weitgehend als unwirksam angesehen.
Freitag und Samstag ist Wochenende im Sudan, aber wir werden viel zu tun haben. Morgen gibt es mehr Besprechungen und am Samstag reisen wir nach El Fasher, die Hauptstadt der Provinz Nord Darfur. Darfur ist aus drei Staaten errichtet und wir werden zwei von ihnen besuchen – den Norden und den Süden. West Darfur hat eine gefährlichere Sicherheitssituation, so dass wir erst die Sicherheitsberichte überprüfen bevor wir eine Reise dorthin planen.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 22:54 Uhr
Genf
Montag, 4. Juni 2007
Heute wurden mein Kollege Peter und ich von dem Büro des UNO-Oberkommissars für Menschenrechte darüber informiert, welche Rolle das Büro in dem Projekt spielen wird, das wir beurteilen sollen. Es war unsere erste Chance von der Beurteilung von Dokumenten auf ein direktes Gespräch umzuschwenken. Peter hat 14 Jahre lang für das Internationale Rote Kreuz gearbeitet und gilt somit als „Schutzsexperte". Er hat viel Erfahrung im Bereich Konfliktsituationen und unser Wissen wird als gegenseitige Ergänzung betrachtet – mein Schwerpunkt liegt dabei mehr auf Training und Beurteilung. Die Situation in Darfur ist extrem komplex – da gibt es keine Überraschungen. Die verwickelte Lage im Lande beinhaltet unter anderem Sicherheitsprobleme und den Bedarf an Zivilschutz, sowie eine Auswahl an lokalen Schutzgebern, wie die Afrikanischen Unionskräfte im Sudan (AMIS), die im Sudan tätigen UNO- Agenturen (UNMIS), ein Gastgeber humanitärer Agenturen und angeblich die lokale Sudanesische Polizei. Morgen reisen wir nach Khartoum.
Erfasst von Felisa Tibbitts um 23:14 Uhr
Übersetzung: Marta Stefanska
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