| 2012-10-25 21:30:26
New York, USA, 24. Oktober 2012 – Laut dem Global Gender Gap Report 2012 des World Economic Forum, der in diesem Jahr zum siebten Mal erscheint, liegen die nordischen Länder an der Spitze. Island, Finnland, Norwegen und Schweden konnten die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern um über 80 % verringern. Die Länder am anderen Ende des Spektrums müssen noch bis zu 50 % der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Wirtschaft ausgleichen. Mehr als die Hälfte der untersuchten Länder konnte dieses Gefälle in den letzten sieben Jahren nicht einmal um 5 % verringern.
Die Bewertung bezüglich der Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede erfolgt im Global Gender Gap Report anhand von vier Bereichen: Zugang zu Gesundheitsversorgung, Zugang zu Bildung, politische Beteiligung und wirtschaftliche Gleichstellung. Im Gesundheits- und Bildungsbereich konnten mit Ausnahme einiger Länder wie Pakistan, Äthiopien, Jemen und Benin weltweit erhebliche Fortschritte verzeichnet werden: 96 % des Gefälles im Gesundheitswesen und 93 % des Gefälles im Bildungswesen konnten mittlerweile in den im Bericht untersuchten 135 Volkswirtschaften ausgeglichen werden.
Im Vergleich dazu betragen die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Wirtschaft noch 60 %; im Bereich der politischen Beteiligung konnte das Gefälle nur um 20 % verringert werden. Langfristig lässt sich daraus eine Verbesserung der wirtschaftlichen Stellung von Frauen in einem Drittel der 135 untersuchten Volkswirtschaften ablesen, darunter auch in den vier größten Volkswirtschaften der Welt: den USA, China, Japan und Deutschland. Allerdings schreitet der Fortschritt mit insgesamt lediglich neun Ländern, die innerhalb der letzten sieben Jahre eine Verbesserung von über 10 % erreichen konnten, und 75 Ländern, bei denen die Verbesserung unter 5 % lag, nur langsam voran.
Die Daten lassen auf eine enge Korrelation zwischen den erfolgreichsten Ländern bei der Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede und den wettbewerbsfähigsten Ländern schließen. „Wichtig für die Zukunft jedes Landes sowie jeder Institution ist die Fähigkeit zur Gewinnung der besten Köpfe“, so Klaus Schwab, Gründer und Executive Chairman des World Economic Forum. „In Zukunft werden Talente weitaus wichtiger sein als Kapital. Die Entwicklung der Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung, sondern auch der Schlüssel zu Erfolg und Wohlstand in einer Welt, die immer stärker durch Wettbewerbsfähigkeit geprägt wird.“
Saadia Zahidi, die Leiterin des Women Leaders and Gender Parity Programms des World Economic Forum und Mitverfasserin des Berichts, sagte: „Sechs der zehn laut Global Competitiveness Index wettbewerbsfähigsten Länder sind auch unter den ersten 20 Ländern des Global Gender Gap Index vertreten. Das zeigt deutlich die Notwendigkeit der Länder, die bereits in Verbesserung der Situation von Frauen im Bildungs- und Gesundheitswesen investiert haben, nun auch die Bereiche Wirtschaft und Politik anzugehen. Länder, die in noch keinen der Bereiche investiert haben, müssen handeln, bevor sie wirtschaftlich noch stärker zurückfallen“.
Regionale Analyse
Unter den Top 10 ist Europa dieses Jahr wiederum am stärksten vertreten. Island steht an der Spitze mit dem besten Gesamtergebnis bei Bildungsstand und politischer Beteiligung, gefolgt von Finnland, Norwegen, Schweden und Irland. Auf Rang 7 liegt Dänemark, die Schweiz erreichte Rang 10. Deutschland verpasst die Top 10 knapp und landet auf Platz 13. Die Schlusslichter Europas sind Italien, Griechenland (82) und die Türkei (124).
In Nordamerika fielen die USA aufgrund des zurückgegangenen Prozentanteils von Frauen in politischen Entscheidungspositionen um fünf Plätze auf Rang 22 zurück. Nicaragua hat sich dagegen in Lateinamerika mit Platz 9 an die Spitze vorgearbeitet. Brasilien (62) macht aufgrund von Verbesserungen in der Schulbildung im primären Sektor sowie der Erhöhung des Frauenanteils in Ministerposten ganze 20 Plätze gut.
An der Spitze Asiens stehen die Philippinen mit Rang 8, den sie vornehmlich aufgrund von Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie bei der Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben erreichen konnten. China belegte mit Rang 132 für diese Region den vorletzten Platz bei Gesundheit und Lebenserwartung aufgrund des verzerrten Geschlechterverhältnisses bei der Geburt, erzielte allerdings sehr gute Ergebnisse bei der Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben (74 %). Japan (101) und Südkorea (108) nehmen die untersten Plätze bei den OECD-Ländern ein. Indien (105) hat von den BRIC-Ländern am schlechtesten abgeschnitten und Pakistan liegt bei der Primär- und Sekundärschulbildung sowie bei der Alphabetisierungsrate rangmäßig im Bereich der untersten zehn Länder.
Bei den arabischen Ländern halten die Vereinigten Arabischen Emirate mit Rang 107 weiterhin die Spitzenposition, mit überdurchschnittlich hohen Zahlen bei der Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben und der Gleichstellung im Bildungswesen, einschließlich einer Umkehrung geschlechtsspezifischer Unterschiede im Hochschulwesen mit einem fast dreimal so hohen Frauenanteil im Vergleich zu studierenden Männern. Syrien, dessen Daten vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs erfasst wurden, fiel um drei Plätze auf Rang 132 zurück und damit hinter Saudi-Arabien (131), das eine Verbesserung um nahezu 10 % im Vergleich zu den Ergebnissen von 2006 erzielte. Jemen (135) bleibt trotz seiner Fortschritte im Vergleich zu den Zahlen von 2006 das Schlusslicht der arabischen Länder.
Die Spitzenposition der Länder in Subsahara-Afrika hält Lesotho mit Rang 14. Aufgrund von Verschlechterungen bei der Lohngleichheit bei vergleichbarer Arbeit und bei dem geschätzten Lohneinkommen fiel das Land fünf Plätze zurück, bleibt aber weiterhin das einzige Land dieser Region, das die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Subindizes für Bildungswesen sowie Gesundheit und Lebenserwartung komplett ausgleichen konnte. Neben Lesotho ist Afrika in den Top 20 zusammen mit Südafrika (16) vertreten. Mali (128), die Republik Côte d’Ivoire (130) und Tschad (133) liegen hingegen auf den untersten Rängen dieser Region.
„Geschlechtsspezifische Unterschiede können durch eine gezielte Politik ausgeglichen werden. Länder, die neue politische Entscheidungen umsetzen, sollten ihre Erfahrungen an andere Länder weitergeben, um dort den Fortschritt zu beschleunigen“, so die Mitverfasserin Laura Tyson, S. K. und Angela Chan Professor of Global Management, Haas School of Business, University of California at Berkeley, USA. „In Ländern, in denen Frauen eine höhere Bildung genießen als Männer, hat sich der Fokus der Veränderungen verschoben. Es muss jetzt darum gehen, Ehe und Mutterschaft besser auf eine intensivere wirtschaftliche und politische Beteiligung von Frauen auszurichten“, meint Mitverfasser Ricardo Hausmann, Director des Centre for International Development an der Harvard University.
Pressemitteilung World Economic Forum
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