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[headlines] Über 100.000 Syrer fliehen im August

2012-09-05 08:48:40

UNHCR, Damaskus/Genf, 4. September 2012 -- Im August 2012 mussten mehr als 100.000 Menschen aus Syrien in benachbarte Länder fliehen. Dies ist die höchste Zahl binnen eines Monats seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011. Insgesamt sind 235.368 Syrer außerhalb des Landes auf der Flucht.

Irakische Flüchtlinge kehren weiterhin zu Hunderten aus Syrien in den Irak zurück. Die meisten fliehen wegen der allgemeinen Unsicherheit und wegen Bedrohungen, so Angaben gegenüber UNHCR. UNHCR-Mitarbeiter berichten von drei irakischen Flüchtlingen, die vergangene Woche in Jaramana, einem Vorort von Damaskus getötet wurden, was die Angst der Flüchtlinge vor Ort weiter schürt. Nach Regierungsangaben sind im Juli und August 35.000 Menschen in den Irak zurückgekehrt.

UNHCR und der Syrische Rote Halbmond erweitern ihre Hilfsmaßnahmen, um vertriebene Syrer besser zu unterstützen. Beide Akteure hoffen, finanzielle Unterstützungen für 35.000 betroffene Familien (rund 200.000 Personen) in den kommenden Monaten ausweiten zu können. Gegenwärtig haben 9.230 Flüchtlingsfamilien (viele irakischer Herkunft) finanzielle Hilfe von UNHCR erhalten.

Irak: 500 syrische Flüchtlinge pro Tag

Derzeit fliehen rund 500 Syrer pro Tag in den Irak; im Vergleich zu insgesamt 500 in den ersten drei Augustwochen. In der Region Kurdistan arbeiten UNHCR und die irakischen Behörden an verschiedenen Programmen und der Errichtung eines zweiten Flüchtlingscamps, das vor allem syrische Kurden beherbergen soll. In anderen Regionen kommen dagegen weit weniger syrische Flüchtlinge an, so etwa auch in Bagdad und Najaf.

Als Reaktion auf die große Zahl von zurückkehrenden Irakern erleichtern irakische Behörden den Anmeldungsprozess für Rückkehrer und versprechen Hilfe in Form finanzieller Mittel und bei der Wiedereingliederung. Im Juli und August wurden rund 2.000 Familien gemeldet, von denen mindestens die Hälfte zuvor bei UNHCR in Syrien registriert waren. UNHCR unterstützt Heimkehrer mit Emergency-Equipment, wie zum Beispiel Kochgeschirr, Eimern und Kanistern.

Jordanien: 1.000 Flüchtlinge täglich

Pro Tag überqueren etwa 1.000 Flüchtlinge die Grenze zu Jordanien. Berichten zufolge steigt die Zahl der vertriebenen Menschen im südlichen Syrien rasant an. In den letzten Tagen kamen 56 Lastwagen mit 13.000 Zelten und Hilfsgütern für insgesamt 150.000 Menschen, darunter Decken, Kanister und Kochgeschirr aus dem UNHCR-Depot in Dubai.

59.000 Syrer im Libanon

UNHCR eröffnet diese Woche im Libanon ein mobiles Registrierungsbüro in Baalbek, einem wichtigen Zentrum im östlichen Bekaa-Tal. Damit reagiert UNHCR auf die steigende Zahl vertriebener Syrer, die sich in dieser Gegend niedergelassen haben. Mit Hilfe des Büros sollen in diesem Monat bis zu 5.000 Menschen in der Region erfasst werden.

55 Prozent der bereits registrierten syrischen Flüchtlinge halten sich im Norden des Libanon auf, 42 Prozent befinden sich im Beeka-Tal. Weitere Flüchtlinge haben in Mount Lebanon, in Beirut sowie im Süden des Landes eine vorübergehende Bleibe gefunden. Insgesamt befinden sich mittlerweile über 59.000 vertriebene Syrer im Libanon.

Weitere Unterbringungsmöglichkeiten nötig

Die libanesischen Gastfamilien kommen durch die steigende Zahl der syrischen Flüchtlinge mehr und mehr an ihre Kapazitätsgrenzen. UNHCR appelliert deshalb an die libanesischen Behörden alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Etwa 180 Flüchtlingsfamilien sind zur Zeit in Schulen untergebracht, doch das Schuljahr beginnt noch in diesem Monat. Dadurch wächst der Druck auf die syrischen Familien, die Notunterkünfte schnellstmöglich zu verlassen.

Etwa 40 Prozent der registrierten syrischen Flüchtlinge im Libanon sind zwischen fünf und 17 Jahre alt und haben einen Anspruch darauf, libanesische Schulen besuchen zu können . Gemeinsam mit seinen Partnern arbeitet UNHCR unter Hochdruck daran, die Anzahl von syrischen Schülern an libanesischen Schulen zu erhöhen.

UNHCR deckt anfallende Gebühren für Bildung

Um dieses Ziel zu erreichen, werden UNHCR und seine Partner die Kosten für Schulgebühren und sonstige anfallenden Ausgaben übernehmen. Um die syrischen Schüler auf den meist in Englisch oder Französisch abgehaltenen Unterricht vorzubereitet, wurden in den vergangenen Monaten außerdem vermehrt Nachhilfekurse angeboten.

Tausende warten an der türkischen Grenze auf Einlass

Nach Auskunft der Behörden sind derzeit 80.410 Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei; von denen sind aber einige Betroffene bereits wieder nach Syrien zurückgekehrt, nachdem sich die Lage nach Aussagen (zumeist von Freunden und Bekannten) verändert haben soll oder weil ihr Besitz angeblich in Flammen steht. Viele behalten sich allerdings auch vor. Schnellstmöglich wieder in dei Türkei zu kommen, so die Sicherheitssituation dies zulässt.

Mittlerweile sind die Warteschlangen an der syrisch-türkischen Grenze aber auch entsprechend lang, wo rund 8.000 Syrer auf die Einreise warten. Vorher werden die Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt; ebenso besteht die Möglichkeit medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Türkische Regierung: Grenzen bleiben offen

Die türkische Regierung hat UNHCR versichert, dass die Grenzen bis auf Weiteres offen bleiben. Rund 480 Flüchtlinge konnten am Sonntag die Grenzanlagen in die Türkei passieren.

Die türkische Regierung hat den Transport für Syrer in das neue Camp in Karkamis sichergestellt und bereits in den vergangenen Tagen 4.000 Menschen aus Schulen und öffentlichen Gebäuden dorthin gebracht. Gestern hat ein weiteres Aufnahmelager in Kahramanmaras eröffnet, dass von nun an mit Neuankömmlingen bezogen werden soll.

Statistik

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge, die bereits registriert wurden oder für eine Registrierung vorgemerkt sind, liegt bei 235.368 (Stand: 2. September 2012. Davon sind 77.165 in Jordanien (30.044 vorgemerkt), 59.111 im Libanon (15.251 vorgemerkt), 18.682 im Irak (1.841), 80.410 in der Türkei (Regierungsangabe).

 

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